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Thomas-Dachser-Gedenkpreise
- Aus Liebe zur Kunst
Werkverzeichnis: Maximilian Ruess


Jubiläums des Thomas-Dachser-Gedenkpreises

Anlässlich des Jubiläums des Bürgerpreises bzw. Thomas-Dachser-
Gedenkpreises sollen im Folgenden einige der ausgezeichneten Werke
exemplarisch vorgestellt werden:



Als erster Künstler wurde 1969 Hans Erwin Steinbach (1896–1971) für sein Triptychon „Eintag“ mit dem Bürgerpreis geehrt. Erst wenige Jahre zuvor, im Jahr 1965, hatte der Künstler den Kunstpreis der Stadt Kempten für ein in Öl gearbeitetes Stillleben erhalten. Das nun prämierte dreiteilige Werk stellt in Goldbronze-Tönen auf rotem Grund den Verlauf eines Tages dar. Beginnend mit dem linken Flügel zeigt das Gemälde zunächst den Morgen mit der aufgehenden Sonne. Auf der höheren Mitteltafel sieht man die Mittagssonne in ihrer ganzen Kraft gleich eines Feuerballs zur Darstellung gebracht. Der Abend mit der untergehenden Sonne ist schließlich auf dem rechten Flügel zu sehen. Die besondere Intensität der Darstellung basiert auf den plastischen, mit Gips realisierten und goldfarben übermalten Formen, mit denen die Sonne, ihr gleißendes Licht und die abstrahierten Landschaftselemente von Steinbach umgesetzt wurden. Der kräftig rote Hintergrund mit den rautenförmigen Schraffuren, die direkt in den Malgrund geritzt wurden, verstärkt zudem diese Expressivität.

Das Triptychon Steinbachs ist im Gegensatz zu den meist klappbaren Vorbildern der mittelalterlichen Flügelaltäre nicht darauf ausgerichtet, geschlossen zu werden. Die beiden Flügel sind zwar beweglich angebracht, doch lassen sie sich auf Grund ihrer Breite nicht vollständig vor dem Mittelteil schließen. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts erfuhr die mittelalterliche Bildform des Triptychons eine Renaissance. Während die einen Künstler an christliche Motive anknüpften, erhöhten andere profane Themen durch die Wahl dieses ursprünglich sakralen Formats. Besonders unter dem Eindruck der beiden Weltkriege haben Künstler das Dreitafelbild aufgenommen, um die Schrecken des Krieges zur Darstellung zu bringen.5 Im Oeuvre Hans Erwin Steinbachs, der in Frankfurt und München Kunst studiert hatte, genießt das beschriebene Werk eine Sonderstellung: Sowohl was Bildformat als auch Komposition anbelangt, findet sich nichts Vergleichbares.


Gleich im zweiten Jahr der Preisvergabe, 1970, wurde die erste Künstlerin ausgezeichnet: Agnes Auffinger (* 1934) erhielt den Bürgerpreis für ihre Specksteinskulptur „Familie“. Das Werk zeigt eine Figurengruppe aus insgesamt fünf sitzenden Personen, zwei Erwachsenen und drei Kindern. Die Mutter mit dem kleinsten Kind in ihrem linken Arm dominiert das Ensemble durch ihre Größe und ihre erhöhte Sitzposition als auch durch die fast thronende Haltung. Zu ihrer Linken, etwas tiefer sitzend, ist wohl der Vater dargestellt, der beide Arme auf die Oberschenkel gestützt hält und eine untergeordnete Rolle einzunehmen scheint. Die Figurengruppe wird nach rechts und links jeweils durch ein sitzendes Kind abgeschlossen. Agnes Auffinger hat zunächst eine keramische Ausbildung absolviert, bevor sie in München an der Akademie studierte.


Im Jahr 1972 wurde erneut ein vormaliger Kunstpreisträger der Stadt Kempten mit dem Bürgerpreis geehrt, nämlich Theo Bechteler (1903–1993). Mit seiner Bronzeplastik „Rat-Haus“ wurde ein Werk ausgezeichnet, das von Ausführung und Motiv ganz typisch war für das, was man von diesem Künstler vornehmlich aus den 1960er Jahren kannte. Charakteristisch für die meist kleinformatigen Haus-Plastiken des Künstlers aus dieser Zeit, zeigt auch das prämierte Werk kein geschlossenes Gebäude mit fast undurchdringlichen Flächen, sondern ein Gebilde aus offenen Strukturen. Die Elemente zitieren architektonische Formen und Gliederungen, mit denen die dargestellten menschlichen Figuren verschmelzen. Man kann in dieses „Rat-Haus“ nicht nur hineinblicken wie in ein geöffnetes Puppenhaus, man kann es optisch von allen Seiten durchschreiten. Das Haus wird dadurch von innen nach außen erfahrbar. Theo Bechteler, der nach dem Besuch der Holzbildhauerschule in Oberammergau in Berlin unter anderem bei Ludwig Gies studiert hatte, gilt als einer der großen Innovatoren der Plastik in der Nachkriegsgeschichte.


Bereits als junger Künstler wurde Peter Krusche (* 1953) 1973 zunächst mit dem Förderpreis der Dr.-Rudolf-Zorn-Stiftung, 1976 dann mit dem Bürgerpreis gewürdigt. Das prämierte Gemälde „Mädchen am Fenster“ zeigt den Innenraum eines sparsam eingerichteten Schlafzimmers. Der Blick des Betrachters wird von einer recht merkwürdigen Auswahl an Gegenständen im Vordergrund über ein quer im Raum stehendes Bett mit gestreiftem Bettzeug zu einer zweiflügeligen Terrassentür geführt, dessen Tür- und Fensterflügel geöffnet sind. Rechts davor steht ein blondes, blau gekleidetes Mädchen und schaut hinaus aufs Meer mit Felsen und kleinen Inseln. Der Horizont verschwimmt zwischen dem hellen Blau des Wassers und dem des Himmels. Eine alte Vorhangstange krönt die Fensternische, an den fleckigen Wänden verläuft ein Kabel ohne sichtbaren Anfang oder erkennbares Ende. Links im Bild ist an der Wand über dem Bett ein beschriebener Notizzettel befestigt. Darüber hängt lose von der Decke herab ein Kabel mit einer Glühbirne daran. Für den Betrachter mischt sich in dieser Szenerie der Realismus des Dargestellten, des scheinbar Trivialen mit einem nicht zu übersehenden poetischen Anspruch.


1982 erhielten drei Federzeichnungen der Künstlerin Roswitha Asche (1938–2006) den seit 1981 als Thomas-Dachser-Gedenkpreis bezeichneten Kunstpreis. Wie im Katalog zu lesen war, wurden mit der Preisverleihung aber nicht nur diese drei Werke – „Caldane“, „Cucuruzzu“ und „Florenz“ – gewürdigt, sondern auch die beständig hohe künstlerische Gesamtleistung der Grafikerin7, die in Kassel Kunst studiert hatte und 1976 bereits bei der Kunstausstellung mit dem Förderpreis der Dr.-Rudolf-Zorn-Stiftung geehrt worden war. Die Arbeit „Cucuruzzu“ zeigt einen Teil des gleichnamigen, bronzezeitlichen Kastells im Süden Korsikas. Mit der für die gebürtige Berlinerin Roswitha Asche typischen Akribie sind die Reste dieser Anlage auf einem felsigen Hügel, der mit allerlei Pflanzen bewachsen ist, dargestellt.


Der Bildhauer Hans Horst Beckert (1902–1986) erhielt als einziger den Bürgerpreis (1971) und 1985 den Thomas-Dachser-Gedenkpreis in Anerkennung seines großen künstlerischen Lebenswerks8, das mit drei ausgestellten Bronzeplastiken repräsentiert war: „Bist nur Gast auf Erden“, „Demonstration“ und „Tröstung“. Letztere zeigt in lyrisch-verhaltener und dennoch kraftvoll wirkender Manier eine sakrale Figurengruppe aus zwei Personen. Links steht ein Mann im langen Gewand und mit langen Haaren, der sich mit tröstenden Gebärden über eine sitzende Frau beugt. Diese lehnt ihren Kopf an die Brust des Mannes, ihre Hände hält sie betend im Schoß. Der aus Hessen stammende Hans Horst Beckert studierte in den 1920er und 1930er Jahren Bildhauerei in München. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er ins Allgäu. Im Jahr der Auszeichnung, kurz vor seinem Lebensende, war er schon längst ein weithin bekannter und hoch geachteter Künstler im Allgäu, der seit Beginn der Kemptener Kunstausstellung 1949 alljährlich an dieser teilgenommen hat.


Im Jahr 1988 entschied sich die Jury, das Grafik-Foto „Zwillingsakt“ von Diether Kunerth (* 1940) zu würdigen. Bei dem Werk handelt es sich zunächst um eine gegenständliche Arbeit, denn es zeigt den Blick aus dem Fenster eines Fahrzeugs auf eine Olivenbaum bestandene Wiese im Sonnenschein. Ein Holm der Fahrzeugkarosserie teilt das Bild in zwei Hälften. Rechts ist ein mit farbig bemalter Folie umhülltes Gerüst mit Erntenetzen zu sehen. Der große, ovale Rückspiegel des Fahrzeugs links im Bild spiegelt einen Teil dessen wider. Man könnte glauben, einen grafisch überarbeiteten Schnappschuss vor sich zu sehen. Doch der Künstler, der in München Bildhauerei studiert hat, will diese Arbeit aus der Schaffensreihe der „land-light-paintings“ abstrakt verstanden wissen. Der überlegt gewählte Bildausschnitt verwendet die realen Objekte als kompositorische Elemente, als ungegenständliche Formen und Flächen, die auch nach ihren Helligkeits- und Farbwerten ausgesucht wurden.




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