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Kunstpreis der Stadt Kempten (Allgäu)  - 2003



Peter Mayer
"Blütenkleid über Landschaft"
Collage/Öl/Erdpigment auf Bütten
180 x 125, 2003

Der Künstler Peter Mayer aus Nürnberg wird für seine Collage-Arbeit "Blütenkleid über Landschaft" mit dem Kunstpreis der Stadt Kempten (Allgäu) 2003 ausgezeichnet.

In großem Format formuliert der Künstler zwei Bildelemente. Zunächst sucht das Auge des Betrachters nach dem Titelmotiv, dem Kleid, dem Gewand, das sich erweist als Korsett, als Reifrock, als Hülle, als Zeichen eines Körpers, der nicht mehr da ist. Zu sehen ist eine statische Konstruktion, ein Stützgerüst, das einstmals einen Menschen einhüllte, einen Leib beschrieb und weiter beschreibt als Negativform, als Zeichen. Die Bändel der Korsage führen ebenfalls ein Eigenleben als Straßennetz, als Kanäle, als Gusskanäle, die heiß und hart zu füllen sind. Mit dem Motiv der miederartigen Körperahnung kreiert Peter Mayer ein Symbol für das Menschliche, für das Fragmentarische des Lebens und für die Schönheit der Vergänglichkeit. Die Anordnung des Blütenkleides in einem hohen Himmel über weitem Horizont verstärkt das reiche Potential an Interpretationsmöglichkeiten.

Die Jury anerkennt mit ihrem einstimmigen Urteil den neuen Blick, die sichere Komposition und die eigenartigsten individuellen künstlerischen Mittel dieser Collage-Arbeit. Peter Mayer zeigt eine moderne Formensprache, die er "wie geschrieben", klar und narrativ, zur Anwendung bringt. Er verfügt über viele zeitgenössische Möglichkeiten der Malerei und Grafik, die er virtuos einsetzt. Dabei agiert er nicht mit Schrecken, sondern mit Poesie, zarter Empfindsamkeit oder Fragilité. Bei aller Finesse zeigt sich der Künstler nicht als glatt, nicht als erstarrt, sondern als äußerst einfallsreich in perspektivischen Irritationen und geistig-psychologischen Bezügen. Weniger ist ihm mehr, obwohl er eine komplexe, einprägsame Collage aus Papier, Öl und Erdpigmenten geschaffen hat. Der Kunstpreis der Stadt Kempten (Allgäu) 2003 geht an einen konzentrierten Bildentwurf, der jeder Betrachterin und jedem Betrachter die unmittelbare Frage nach der eigenen Befindlichkeit vor Augen stellt.


Peter Mayer über seine Arbeit:

Meine künstlerische Arbeit ist geprägt von einer "Spurensuche", die im Wesentlichen das
Akkumulieren von Collage-Teilen und objekthaften Fundstücken als Zeitzeugnisse umfasst und die sich in meiner persönlich entwickelten Strategie des Sammelns, Selektierens und Umstellens in neue Ordnungszusammenhänge ausprägt.

Ausgangspunkt sind Nachlässe anonymer wie bekannter Personen sowie Fundstücke aus aufgelassenen Fabriken und verlassenen Häusern. Über Jahre hinweg entwickelte ich Strategien des Überarbeitens von scheinbar nebensächlichen wie zufälligen Spuren. So ergab sich ein Eintauchen in Erinnerungswerte, in fragmentarische Indizien, in Spuren unbekannten Lebens.

Durch subtiles Abdecken teilweiser wie vollständiger Spuren erscheint das Fundstück plötzlich wieder "neutral", offen, strahlt Impulse aus für Ideen des weiteren Überarbeitens. Die zunächst scheinbare Uneindeutigkeit der Spur sowie die im Tun impulsiv entwickelte Zusatzspur lassen ein paradoxes Spiel entstehen von Erinnerungswerten vorhandener Lebenszeichen hin zu fiktiven Träumen. Erinnerungen tauchen ortlos auf, Entschwundenes und Vergessenes kehrt zurück als zu Erinnerndes, nicht so sehr in der Gestalt des Werkes, sondern im Gedächtnis des Betrachters.

Durch meine Form des Überarbeitens werden Collageteile versiegelt, werden so zum Energie- und Geheimnisträger. Fundstücke wie z.B. Briefe aus der Kriegsgefangenschaft werden durch den Akt des Versiegelns im Bildraum montiert und werden so Orte von Geheimnissen. Fotos einer anderen "Knipserrealität" werden der eigenen entgegengesetzt, bilden somit ein Spannungsfeld in der Einschätzung von Lebenszusammenhängen.

In meiner Verbindung von innerem Sehen und riskiertem Abbild verwandle ich Kleider zu Gebäuden, Landschaften zu Gefäßen. Bildteile und Bildthemen fließen. In ,Blütenkleid über Landschaft‘ zirkulieren Erinnerungen mit realen Gegebenheiten. Damit verwickelt sich meine persönliche Erinnerung und die des Betrachters jeweils in ein paradoxes Spiel. So erinnere ich an etwas, was niemals vorhanden war."




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