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Kunstpreis der Stadt Kempten (Allgäu) - 2005

Peter Zeiler (*1930), Irsee



Peter Zeiler (*1930)
Irsee

"Zur Decke greifen"

und

"Tiefe Verbeugung"
Acryl auf Papier
je 57 x 80 cm
2004

Der Künstler Peter Zeiler aus Irsee wird für seine beiden Pinselzeichnungen "Tiefe Verbeugung" und "Zur Decke greifen" mit dem Kunstpreis der Stadt Kempten (Allgäu) 2005 ausgezeichnet.

Ein Mensch ist in das Format des Papierbogens eingezwängt. In "tiefer Verbeugung", Verbiegung stößt er allseitig an den Rand, findet er seine Begrenzung. Alle Körperteile sind vom Gebeugtsein betroffen: die Beine sind extrem gekrümmt, die Zehen verkrampft verbogen. Der Rücken ist überstreckt, die Wirbelsäule liegt in ihrer Verletzlichkeit offen. Der Kopf ist vehement auf den Boden gedrückt, die Augen treten geschwollen hervor, in der Größe von Kastanien, stachelige, schmerzende Augäpfel ohne Blick.

Die Figur in "Zur Decke greifen" bildet das formale Pendant. Die Arme tasten in eine rote Höhe - vergeblich. Das Auf-dem-Rücken-Liegen ist der Inbegriff von Hilflosigkeit und Auf-Hilfe-angewiesen-Sein, die Situation eines Säuglings oder eines kranken und alten Menschen. Das zerfließende Gesicht, die geschundene Nase, aus der Blut tropft und Atemluft entweicht, die brüchigen Zähne - Zeiler formuliert die fragile Befindlichkeit und Verletzlichkeit in sensiblen Strichen und Formen. Auf hellem Grund malt er die Figuren in Konturen aus kräftigem Schwarz, abgetönt, gewässert, geschwächt hin zu warmen, brüchigen Grautönen. Teils trocken, teils ins Aquarell verlaufend lässt Zeiler die Farbe wirken. Jede Stelle seiner Darstellung ist interessant ausgestaltet und unterstützt die sinnliche Ausdruckskraft. Innerhalb der Körperkonturen steht Braun für geronnenes Blut, Stellen mit Kratzspuren, in Grau und Graublau gerührte Farbwirbel zeigen Verwundungen, Vernarbungen auf der Haut und auf der Seele.

In ihrem einstimmigen Urteil würdigt die Jury die überzeugende Kraft und die sensible Stilsicherheit der beiden Pinselzeichnungen. Zeiler stellt in einer hochmodernen Auffassung das menschliche Leiden und wehrlose Ausgesetztsein dar. Für das Thema existentieller Bedrohung, für das Empfinden innerer Kämpfe und Widersprüche erfindet er signifikant glaubhafte Zeichen und markante bildhafte Möglichkeiten. Die Qualität plastisch-räumlicher Formulierung entsteht durch Zeilers faszinierend grafisch-malerische Pinselführung und seine hochfeine Farbdosierung. Dem Künstler gelingt es, in einer lapidaren, reduzierten Form zu zeigen, was im Inneren vorgeht, ohne vordergründig auf Mitleiden zu zielen. Die Vielfalt seines Pinselduktus illustriert die zeitliche Dimension des menschlichen Lebens und Überlebens.

Peter Zeiler beweist damit eine zeitlose, eigene künstlerische Arbeit außerhalb der Kunstkonjunktur und des marktorientierten Mainstream. Diese Position ist stringent aus seinem jahrzehntelangen Schaffen entwickelt, zeigt eine erstaunliche Kraft und überzeugt durch hohe Originalität und Sinnlichkeit.




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