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Kunstpreis der Stadt Kempten - 2011



Oliver Kromm (*1965)
Kaufbeuren

"Unter Hochspannung" (Der Wolf im Mann)
Acryl auf Leinwand
80 x 120, 2011

und

"Der Fetischist" (Der Wolf im Mann)
Acryl auf Leinwand
70 x 97, 2011



Der Maler Oliver Kromm aus Kaufbeuren erhält für seine beiden Werke „Unter Hochspannung“ und „Der Fetischist“ aus der Serie „Der Wolf im Mann“ den Kunstpreis der Stadt Kempten (Allgäu) 2011.

Im Mittelpunkt der beiden Bilder steht ein Wolf, ein hellgraues, leichtfüßiges, beobachtendes Tier, das vorsichtig Kontakt aufnimmt mit einer Frau. Von der Frau ist jeweils nur ein Teil zu sehen: Im einen Bild liegt sie im Bildhintergrund auf dem Rücken am Boden, die Arme zur Seite gestreckt, die nackten Beine aufrecht, überkreuzt an die Wand gelehnt. Durch den seitlich geneigten Kopf wirkt ihre ungewöhnliche Haltung als vollkommen passive Ruhestellung. Das andere Bild zeigt die Frau sitzend, beim Anziehen eines Strumpfes, wobei nur die Beine und ein Unterarm zu sehen sind. Der Bildraum, annährend im goldenen Schnitt geteilt in einen hellen Boden und eine braune Rückwand, schafft eine klare, frontale Bühnensituation, in welcher der Wolf sich bewegt. Bei aller Übereinstimmung unterscheiden sich die Kompositionen deutlich und wesentlich voneinander, wodurch eine zusätzliche szenische Spannung zwischen den beiden Bildern entsteht.

In „Unter Hochspannung“ setzt der Maler den Wolf vollständig ins Bild. Im leichten Lauf bewegt sich das Tier parallel zur Bildebene; alle vier Pfoten scheinen im dargestellten Augenblick über dem Boden zu schweben. Der gespannte Rücken, der ausgestreckte Hinterlauf und der in Richtung der Frauenhand gedrehte Kopf fassen einen magischen Moment; die weitere Entwicklung bleibt offen. „Der Fetischist“ zeigt die beiden Figuren stark angeschnitten, im Gegenüber an den Bildrändern. In der Mitte ragt das gestreckte Bein im violetten Strumpf fast über die ganze Bildbreite, dem Wolf entgegen. Vom Wolf ist vor allem sein der Fußfessel und dem Betrachter zugewandter oberer Kopf mit leuchtendem Fell und maskenhaften Augen zu sehen. Die Nase ist dicht an das Fußgelenk gesenkt. Hier fügt der Maler eine weitere Blick- und Bildrichtung ein, die aus dem Bild heraus die Aufmerksamkeit des Betrachters einfordert.

Die Jury erkennt in den beiden Werken eine geheimnisvoll aufgeladene Begegnung von Mensch und Tier, wobei nicht der Mensch, sondern der Wolf die Leit- und Hauptfigur darstellt. Die Frau taucht lediglich als Randfigur auf, die menschlich-zivilisierte Sphäre ist beiseite gelassen zugunsten der Wesenhaftigkeit des Animalischen. Das Tier wird vom Künstler als wirkliches Tier erkannt, das weniger bedrohlich-konfrontativ denn sinnenhaft-forschend gezeichnet wird. Die ungewöhnliche Perspektive richtet sich auf die Augenhöhe des tierischen Wesens, das einerseits in seiner dynamischen Körperlichkeit, andererseits in seiner konzentrierten, spezifischen Sinneswahrnehmung geschildert wird. Die erotische Komponente, die mit der Entblößung der Frau, der klassisch weiblichen Geste des Strumpfüberstreifens am Bettrand und der Vorstellung des „einsamen Wolfs“ ins Bild tritt, kann als subtiles Zitat aus der Kunst- und Filmgeschichte gewertet werden, das die gespannte Unruhe des Tieres in ihrer Natürlichkeit unterstreicht.

Nach Auffassung der Jury besitzt der Künstler hochprofessionelle malerische Fähigkeiten, die er in einer einheitlichen, durchgängig qualitätvollen Handschrift im malerischen Duktus sowie in einer zur Bilderzählung passenden, zugleich farblich dezenten und wirkungsvollen Gestimmtheit auf die Leinwand trägt. Sein Thema, dem er in einer Serie systematisch nachgeht, erfasst er weniger illustrativ denn als Story. Seine klaren Bilderzählungen haben bei aller figürlicher Finesse damit nichts Fotografisches, sondern ihnen kann – aufgrund ihrer charakteristischen Komponenten wie Bewegung, Unschärfe, Gestenhaftigkeit, Open End – eine große Nähe zum Filmischen zugeschrieben werden.

Oliver Kromm über seine Arbeiten:

„Mythos, Legende, Märchen oder doch Wahrheit? Rotkäppchen und der „Böse Wolf“, der „Werwolf“ oder auch „Wolfmann“?
Es ist noch nicht lange her, da war der Glaube in Europa verbreitet, dass in einem Mann mit starker Körperbehaarung oder mit zusammen gewachsenen Augenbrauen der Wolf steckt. Das sind Äußerlichkeiten, aber wie sieht es mit dem Wesen aus? Wie viel Wolf steckt im Mann und wann kommt dieser zum Vorschein? Ich wollte eine atmosphärisch dichte Stimmung und knisternde Erotik spürbar machen, ohne dabei zuviel Haut zu zeigen. Perspektivisch, klar, gradlinig und auch kompromisslos.
Der Mann als echter Wolf, ob unter „Hochspannung“ oder als „Fetischist“.
Es bleibt dem männlichen Betrachter selbst überlassen, nach seinem Wolfswesen zu forschen und die interessanteste Frage stellt sich für mich: Wie interpretieren, sehen und empfinden Frauen diese Arbeiten, dieses Thema?“




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