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Intuition und Präzision
Zum Werk des Künstlers Maximilian Rueß

Autor: Karl Ruhrberg

Maximilian Rueß, 1925 in Oberstdorf geboren, war sicherlich einer der wichtigsten und substantiellsten Künstler des Allgäus in unserer Zeit. Kennzeichen seiner künstlerischen Arbeit und seiner Persönlichkeit war eine unbestechliche Integrität. Er war ein leidenschaftlich empfindender und zugleich stiller, in sich gekehrter Mann, sein Wesen freundlich und weltzugewandt, aber auch melancholisch und Schwermutschatten werfend. An seinen Freuden ließ er seine Umgebung teilhaben, seine Traurigkeiten behielt er für sich. Allein in seinen Bildern und Skulpturen - sofern sie in freier schöpferischer Entfaltung und ohne Einfluss von außen entstanden sind, teilte er sich auf eine künstlerisch chiffrierte, überaus vielfältige Weise in der ganzen Fülle seiner Existenz mit und gab damit seinem schöpferischen Leben auf ebenso einprägsame wie vielfältige Weise Gestalt und Form.

Dieses Leben war überaus reich, aber auch geprägt von Verzichten, ein Künstlerleben auf dem Lande, fernab vom urbanen Kunstbetrieb mit seinen Erfolgszwängen und seinen mitunter bedrückenden Automatismen. In Bolsterlang hatte er, der sicherlich auch ein vorzüglicher Architekt geworden wäre, mit eigener Hände Arbeit ein Haus geschaffen, in dem - von der Raumdisposition über die Balkendecke bis hin zur Struktur des Putzes - alles stimmte. Die schönen Wohnräume ließen bereits auf den ersten Blick die gleichen Eigenschaften erkennen, die das künstlerische Werk von Maximilian Rueß auszeichnen: Präzision und technisch-handwerkliche Perfektion auf der einen, Phantasie und Sensibilität auf der anderen Seite. Kunstwerke und Gegenstände des täglichen Gebrauchs wurden mit der gleichen Sorgfalt auf der Basis der genauen Materialkenntnis hergestellt. Das frühe Studium des Ingenieurswesens und die vorhergehende Praxis als Flieger bildeten die besten Voraussetzungen dafür.

Weder im Umgang mit der Farbe noch mit der Bronze , mit dem Kupfer oder mit dem Stein gab es für den Maler-Bildhauer Probleme bei der Umsetzung seiner inhaltlichen oder formalen Vorstellungen in die sichtbare bildnerische Realität, ob gegenständlich oder abstrakt. "Es geht um Formen, Flächen und Farben, die zueinander in Beziehung gesetzt werden", sagte der Künstler; "deswegen ist es nicht sehr bedeutsam, ob das in gegenständlicher oder naturferner Umgebung geschieht."

Im Werk von Maximilian Rueß gibt es eine beträchtliche Spannung zwischen dem expressiv - mitunter auch depressiv - grundierten Gegenständlichen bis hin zum völlig Abstrakten, dem freilich immer ein konkretes Erlebnis von Landschaft, Figur oder auch Physiognomie zugrunde liegt. Jede Skulptur ist ebenso wie jedes Bild aus der lebendigen Anschauung entstanden und wird in eine mehr oder weniger freie Formensprache übersetzt.

Höhepunkt des bildhauerischen Schaffens, in dem Rueß sich - dank der kunstverständigen Großzügigkeit des Auftraggebers - unbelastet von zweckgebundenen Vorgaben frei entfalten konnte, ist die Brunnenanlage Schloss Zeil bei Leutkirch, die er in konzentrierter siebenjähriger Arbeit vollendete. Dieses imposante Werk ist, wie Irmtraud Brunk treffend geschrieben hat, "eines der typischsten Zeugnisse für das handwerklich meisterhafte, künstlerisch sehr eigengeprägte Gestaltungsvermögen und die tief humane Persönlichkeit Maximilian Rueß' - unverkennbar ein Werk der Gegenwart, doch zeitlos mit großer Verantwortung eingebunden in die historische Substanz und Verpflichtung des Ortes."

Es gibt, wie jedermann weiß, keinen verbindlichen Stil mehr, kein für alle verbindliches Wollen und kein erkennbares Ziel. Die Zuversicht transzendentaler Wertsetzungen ist unwiderruflich dahin. Die Kluft zwischen irdischem Paradies und irdischer Hölle, zwischen Wunsch und Wirklichkeit, zwischen Hoffnung und Verzweiflung, die sich bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts auftat, hat sich nicht geschlossen. Sie hat sich vielmehr vertieft. Alle Kunst ist heute dialektisch, und das unverbindlich "anything goes - alles ist möglich" der inzwischen bereits zur Episode gewordenen Postmoderne war sicherlich keine Lösung. Daher gibt es auch im Werk des einzelnen Künstlers keine ruhig fortschreitende Kontinuität; stattdessen Risse und Sprünge, Bruchlinien ohne gleitenden Übergang.
Das gilt auch für Maximilian Rueß. Es spricht für seine Aufrichtigkeit, dass er sich dieser Bewusstseinslage nicht entzogen hat. Auch sein Werk zeigt die Spuren des Suchens und Experimentierens, wobei nicht die Zwänge des öffentlichen Auftrags gemeint sind, von deren die Imagination behindernden Bedingungen in erster Linie der Bildhauer Rueß betroffen war. Doch im Rückblick verbinden sich die verschiedenen, scheinbar so widersprüchlichen, kontrastreichen Stufen des Lebenswerks zur Einheit jenseits der wechselnden künstlerischen Tendenzen des Tages, der Jahre und Jahrzehnte, von denen auch Rueß mit seinen offenen Augen und seinem wachen Verstand nicht unberührt geblieben ist, und mit denen er sich intensiv auseinandergesetzt hat. Was zunächst unvereinbar zu sein schien, wird zum Kennzeichen der differenzierten Vielfalt einer künstlerischen Begabung, die nicht auch einen Nenner zu reduzieren ist.


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