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Kunstpreis der Stadt Kempten - 2012



Silvia Jung-Wiesenmayer (*1966)
Opfenbach

"Verblassen" (4-teilig)
Stabilo-Zeichnung
je 40 x 40, 2012

und

"Stand by Animals"
Schafwolle, Fell, Stuhl
85 x 90 x 90, 2009


Für ihre Installation „Stand by Animals“ und ihre vierteilige Grafik „Verblassen“ wird die Künstlerin Silvia Jung-Wiesenmayer aus Opfenbach mit dem Kunstpreis der Stadt Kempten (Allgäu) 2012 ausgezeichnet. Die Jury sprach den Preis ausdrücklich für beide Arbeiten gemeinsam zu, denn sie belegen in ihrer Kombination die Bandbreite an Ausdrucksmitteln der Künstlerin und ihre Freiheit in Vorstellung und Umsetzung. Beide Werke bewertete die Jury als frische, zeitgemäße Darstellungen mit großen Qualitäten von sinnlicher Verspieltheit, irritierender Skurrilität und innovativer Imagination.

Bei aller Gegensätzlichkeit verbindet die beiden Werke eine ganze Reihe von parallelen Stilmitteln. Das eine wie das andere trägt eine weibliche Handschrift; sowohl die zarten Zeichnungen mit dem poetischen Titel „Verblassen“ wie auch das textile Material der Installation „Stand by Animals“ sind feminin geprägt. Die Zeichnungen erinnern an Handarbeiten, Häkeleien mit geduldig geführten Wiederholungen. Beide Werke besitzen zudem anziehende, fein gestaltete Oberflächen und ein gutes Maß an Ironie. Hier wie da besteht eine In-sich-Gekehrtheit, das Gegenteil von Aktivität; die Arbeiten verweigern sich geradezu einer raumgreifenden Wirkung. Vielmehr scheinen sie zu pulsieren, sich auszudehnen, zusammen zu ziehen, im lebendigen Takt eines Atems. Die stärkste Übereinstimmung besteht wohl darin, dass es sowohl in der Installation als auch im zeichnerischen Werk einen fühlbaren Mittelpunkt gibt, von dem alles ausgeht, der das Werk zusammenhält.

Die Jurorinnen und Juroren prämieren mit dieser Entscheidung nicht nur die gewählten Werke, sondern ausdrücklich auch eine künstlerische Haltung. Diese kann umschrieben werden als stetige Suche nach neuen Stimmungen, als Aufgeschlossenheit für Seltsames, als Offenheit für Weiterentwicklung und als sichtbare Leichtigkeit im Umgang mit zeitgenössischen Ausdrucksmitteln. Silvia Jung-Wiesenmayer verkörpert diese Haltung und erweist sich als freier Kopf.

Silvia Jung-Wiesenmayer über ihre Arbeiten:

„Der Anlass oder Auslöser der Arbeit ‚Stand by Animals‘ ist verknüpft mit dem dreifachen Beinbruch, den ich mir während einer Wanderung zugezogen hatte und der mich zwang weder viel zu laufen noch schwer zu heben. Ein weiterer Faktor, der auch sicher mit einfloss, ist der Umstand, dass ich einen sehr lauffreudigen Hund habe. Die tier- und spielzeugartigen Wesen aus Filz sind aus diesem Hintergrund heraus aufgetaucht. Aufgetaucht deshalb, weil sie eigentlich nicht zu meinem typischen Arbeitsstil gehörten und noch dazu für mich eine eigene Spanne in die Kindheit zurück wieder öffneten. Dass ich emotional Dinge verarbeite, die aktuell um mich sind, kannte ich. Dass sich aber in einer etwas hilflosen Situation so kuschelige Wesen wieder an die Oberfläche des Bewusstseins schaffen, hätte ich nicht erwartet. 16 Zur den Formen der ‚Stand by Animals‘ möchte ich nur sagen, dass mein Hund bei dem Unfall mit dabei war, daher rührt die Vermischung von Tier und Spielzeug. Das Wort ‚Kuscheltiere‘ habe ich bewusst vermieden, weil sie es für mich dadurch nicht geworden sind, indem ich ihnen eine Funktionstaste mitgegeben habe.

Diese Taste und auch der Titel verbindet für mich viel von dem Gefühl der Geborgenheit, wenn jemand da ist für einen, und der Verwirrung, dass man doch erwachsen ist und diesen kindlichen Trost nicht braucht. Während man stolz auf Tiere ist, die einem zu Seite stehen, hat man die kleinen Tröster aus der Kindheit schon längst ausgesondert, abgestellt. So wäre es doch einfacher, zumindest in meiner Vorstellung, man könnte diese Wesen einfach einschalten und mit ihnen das Gefühl, das man mit ihnen in der Kindheit gehabt hatte. ‚Stand by Animals‘ – dieser Titel birgt auch das ambivalente Moment in der Arbeit, denn vielleicht sind diese Wesen auch immer in Standby-Funktion.

"Verblassen"

Beim Aufräumen stellt man fest, dass es Dinge gibt, die schon ewig so da sind und mit denen man etwas machen wollte. Fast schon verblüfft stellte ich fest, dass meine Stabilos, die ich mir irgendwann gegönnt hatte, immer noch gehen. Warum ich sie mir gegönnt hatte, weiß ich nicht mehr: Das erste Verblassen. Während meiner Morgenrunde mit Hund fotografiere ich oft Pflanzen, Bäume für meine Steinbilder und versuche die unterschiedlichen Stadien der Pflanzen festzuhalten, fasziniert auch von ihren unendlichen Strukturen. Und jeder weiß, wie schnell alles wächst und wieder verschwindet, und es ist unmöglich zu erinnern, wie ein Baum das Jahr zuvor ausgesehen hat, welch eine Banalität auch. Ob das wirklich so ist? Es ist wie verblasst. Wenn dann ein Stift ‚Stabilo‘ heißt, führt das zu der Konsequenz, selbst diesen Prozess zu betrachten. Zu sehen, wie alles verblasst und verschwindet, wie auch wir.“




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