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MOTHER CULTURE

STEFAN WINKLER ÜBER NATUR UND KULTUR
Austellung in der Kunsthalle Kempten



Ein Gespräch von Stefan Winkler und Max Elhardt

M.E.: Wofür steht der Titel "Mother Culture"?

Stefan Winkler: Für mich geht es hier um den Lebensraum, der uns von Geburt an umgibt, und um Prägungen, die wir mit der Muttermilch aufnehmen. "Mother Culture" ist der bekanntere Ausdruck, aber letztendlich ist ja auch der Naturraum, der uns umgibt, weitgehend geformt durch Kulturtaten. Natur und Kultur widerstreben sich. Andererseits werden uns Kulturlandschaften, auch Stadträume, zu einem vertrauten, "natürlichen" Lebensraum.

M.E.: Hast du hier eine abschließende Antwort gefunden?

Stefan Winkler: Nein. Aber an diesem Thema entlang bewegen sich viele meiner Arbeiten.

M.E.: In deiner Ausstellung finden sich vor allem drei relativ geschlossene Werkgruppen: eine Gruppe kleinerer Arbeiten in Schwarzweiß, eine Serie von Gemälden mit Jagdmotiven und fast überraschend große, ganz neue Arbeiten.
In den Schwarz-Weiß-Bildern bearbeitest du einen ziemlich geschlossenen Themenkreis. urbane Szenen, wenn ich mich nicht täusche - hier aus der Umgebung - hast du ins Schwarzweiße reduziert.

Stefan Winkler: Die Wohnblocks habe ich bewusst gewählt, die ähneln sich ja in der Bauweise immer. Dieser Architektur-Typus ist austauschbar, wie ein Industrieprodukt. Eigentlich könnten die überall stehen, tun sie ja vielleicht auch. Jedenfalls, wenn man sich wirklich nur auf den von mir gewählten Bildausschnitt beschränkt, fällt es sicherlich nicht leicht, sie eindeutig zu verorten. Der Bezug zur Architektur, das ist sicherlich auch ein Resultat meines Studiums in Weimar, auch speziell die wechselseitige Bezugnahme von Architektur und Malerei. Damit also auch, wie weit sich da Gesellschaftliches in Malerei - und auch in der Architektur - niederschlägt.
Die Stimmungen mit den Wohnblocks spiegeln sicherlich auch das wieder Zurückkommen in der Immenstädter Realität nach Weimarer Studienzeit wieder. Hier war plötzlich eine Distanz zu der mir zuvor so vertrauten Umgebung meiner Jugend dazugekommen. Die lässt sich auch in der schwarzweißen Gestaltung wieder finden.
In der Reduktion auf schwarzweiß wird auch eine emotionale Ambivalenz manifest. Die Erinnerungsbilder, bei Schwarzweißfotos denken wir ja an Erinnerungsfotos, werden überlagert vom Realraum des täglichen Lebens. Die Autos bewegen sich, sind nicht gefroren genug, um wirklich nur Erinnerung zu sein.

M.E.: Ist die Campingplatzszenerie auch eine persönliche Erinnerung?

Stefan Winkler: Der Camper als mobiles Heim, das ist ja so ein Traum von mir. Unabhängigkeit, Mobilität gepaart mit der Sicherheit am Abend ein Bett und eine Küche dabei zu haben, ein rollendes Rückzugsgebiet.

M.E.: Die Serie mit den Jägerbildern spricht dagegen von einer veränderten Motivwahl.

Stefan Winkler: Das war je eine sehr spontane Wahl. In dieser zeit habe ich auf Motivsuche alle möglichen Themen bearbeitet, sehr schnell gemahlt, und irgendwie haben sich diese skurrilen Jägerszenen durchgesetzt. Die haben mich selber angesprochen, obwohl gar keine familiären Verbinden da sind... bis auf einen Onkel, der Schriftzüge graviert hat auf Hirschgeweihtafeln, in altdeutscher Schrift.

M.E.: Während die schwarzweißen Bilder auf eigenen Vorlagen basieren, sind die Jägerbilder doch mittels gefundener Fotos entstanden.

Stefan Winkler: Dass die Bilder gefunden sind, ist noch nicht mal sonderlich relevant. Das wichtige ist mir, den emotionalen Zugang zu einem Thema zu finden. Das kommt oft eher im Prozess zustande, dass mir ein Motiv oder ein Themenkreis relevant oder stimmig vorkommt, wie zum Beispiel diese Jagdgeschichten. In der malerei bin ich sozusagen ein Anti-Konzeptkünstler, da entwickle ich nicht ein intellektuelles Konzept, das schon vor dem Malprozess da sein muss, sondern aus dem Malprozess selbst heraus muss sich ein Motiv bewähren.

M.E.: Hast du da zeitgenössische Genrebilder geschaffen?

Stefan Winkler: Mit dem traditionellen Genrebild hat das für mich nicht viel zu tun. Die Jagdaktivität selber wird ja auch gar nicht dargestellt. Die Vorlagen sind doch eher Schnappschüsse, die über die Fachzeitschriften publiziert werden und wahrscheinlich für den Leserkreis einen speziellen Sinn ergeben.
Mein Blick auf das Thema kommt aber vollständig von außen, ich bearbeite die Vorlagen, wähle den Ausschnitt, so dass oft auch das Individuelle mit der Augenpartie verloren geht. Den "Genreschnappschuss" lasse ich da weit hinter mir.
Die Bearbeitung bringt hier auch etwas ganz eigenes dazu, das Umsetzen auf die Leinwand. Die Umsetzung ist hier sehr direkt in einem eher abstrahierenden Duktus, was zur Flüchtigkeit sowohl des Momentes als vielleicht auch der Fotosituation passt.
Mit der Herkunft der Bilder hat das dann aber gar nichts mehr zu tun. Obwohl die klischeehaften Motive ja für Kitsch recht gut wären, haben meine Gemälde mit Kitsch absolut nichts zu schaffen. Das Motiv tritt in Konkurrenz mit dem Malduktus, speziell wenn man näher herangeht. Das war auch schon bei den schwarzweiß Bildern der Fall, dass einige Menschen aus einem flüchtigen, fernen Blick geglaubt hatten, es handle sich um Fotos - da natürlich auch wegen der Formate. Aus der Ferne ist ja das Motiv zunächst dominant, die Jägerei. Aus der Nähe betrachtet hat das Motiv dann aber immer zu kämpfen mit der Malerei. Denn die ist ja eigentlich hochgradig abstrakt, in der Nähe zerfällt das Treiben der Jäger zu Malereitextur, sogar der Malgrund bleibt wahrnehmbar.

M.E.: Bei den großen Formaten passiert noch einmal etwas ganz anderes. Mir ist aus der Zeit, als du damit angefangen hast, noch der Begriff Sampling sehr gut in Erinnerung.

Stefan Winkler: Das Sampling ist mir schon länger als Idee durch den kopf gegangen, nur wie ich das umsetzen sollte, das war ja lange nicht klar. Erst durch die kleinen dreidimensionalen Objekte habe ich mich da an eine Verfahrensweise angenähert.

M.E.: Bringst du das Sampling nicht aus der Musik, vom DJing mit?

Stefan Winkler: Da kenn ich das her, aus der Hip Hop - Szene, das Einsetzen von Stücken aus anderen Kompositionen. Das Wort "Sampling" ist ja schon in den normalen Sprachgebrauch übergegangen: das Mischen von Verschiedenem, Zusammensetzen zu Neuem. Das Emotionale steckt hier im unterbewussten Bereich, stellt aber die Verbindung her. Diese Bilder sind ja in diesem Fall von vornherein konstruiert, allerdings dürfen die prozessualen Änderungen nicht außen vor bleiben, da passiert sehr vieles auf dem Weg. Das Unerwartete bleibt ein wesentliches Element.

M.E.: Vor allem Architektur, Naturfragmente und Steine sampelst du in deinen Bildraum hinein - in wohl gewollt sehr unterschiedlichen Durcharbeitungsgraden - zu wiederum naturhaft wirkenden Zusammenhängen.

Stefan Winkler: Hier fließt ja alles ein, was ich in den letzten Jahren in Arbeit hatte: der Naturraum, und wie man sich dazu verhält, also Natur und Kultur. Die Konventionen, und das Umgehen derselben. Hier begehe ich durch das Sampeln vorsätzlich die Brüche in der Raumkonstruktion, setzte mich über die "Richtigkeit" hinweg. Was gar nicht so leicht ist, ich habe da schon auch Ehrfurcht davor, und trotzdem ist mir meine Freiheit wichtiger - die Schranken im Kopf  durchbrechen.
Gerade in den Brüchen im räumlichen Kontinuum zeigt sich die Stärke des Samplingprozesses. Da kann jetzt auch noch allerhand geschehen, das kommt jetzt erst richtig ins Wanken. Hier in dieser Ausstellung ist ja mehr der Weg hin zu diesem Ereignis dargestellt. Noch nicht so die Auswirkungen.

M.E.: Deine Bilder wirken wie emotionale Wüsten, dabei doch aufgeladen mit Bedeutung wie Stills, Standbilder eines Filmes.

Stefan Winkler: Ja, das ist eine Interpretation der Welt, die ich natürlich überspitzt darstelle. Das liebliche liegt mir nicht. Die Konfrontation ist mir wichtig. Meine künstlerische Position stellt ja auch ein Stück weit eine Verpflichtung dar. Auch wenn das als eine Zumutung empfunden werden kann. Ein schönes Bild ist zu schnell zugänglich, ist mir dann auch zu schnell vergessen. In einer konfrontativen Wahrnehmung liegt viel mehr Material für den Betrachter.

M.E.: Was für eine Rolle spielen hier die Brücken?

Stefan Winkler: Brücken sind transitorische Räume, Hilfsmittel zum Hinübergehen oder -fahren. Autobahnbrücken sind nicht zum Verweilen geschaffen, sie haben die Ausstrahlung des Augèschen Nichtortes.
Wenn ich auf einer Brücke stehe, habe ich Sicht in alle Richtungen, nur das Darunter bleibt verborgen, und das ist der Raum, der für mich am spannendsten ist. Das Geheimnis kann ich nur erahnen, es entzieht sich der rationalen Beobachtung und Wahrnehmung. Das Geheimnis auf der Brücke, wenn ich von unten schaue, ist da schon kleiner, weil es sich aus der Funktion der Brücke ergibt. Das Darunter ist zunächst mal nur ein Abgrund. Dem gilt mein Interesse: Alles wäre möglich.

Die Brücke ist der Ausgangspunkt. Die Brücke von unten zu betrachten macht den Baukörper Brücke zu einer autonomen Skulptur. Ich kann ja die Funktion nicht erkennen, die das Skulpturale im Wahrnehmungsprozess normalerweise überlagert. Noch dazu hat es ja einen schlechten Klang, eine Brücke zu unterlaufen, so als ob es sich jemand zu leicht macht. Für mich ist das die interessanteste Perspektive, der Blick von unten - aus der Zone des Geheimnisses - raufwärts.

Das Brückenschlagen, heute in aller Munde, ist ja praktisch ein schwieriges Unterfangen. Alles bisherige muss da riskiert werden, Sehgewohnheiten und bewährte Handlungsweisen müssen über Bord gehen. Neue Wege beschreiten und sich überraschen lassen, neu konstruieren, verwerfen und wieder von neuem beginnen.

 

[21.10.06, AZ] Stefan Winkler: Verwandtschaftliche Innigkeit (45 KB)
[13.10.07, AZ] Unter den Brücken (51 KB)



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