Zurück zur Startseite!
Startseite | Sitemap | Kontakt Suche:
MUSEEN
 
VERANSTALTUNGEN
 
MUSEUMS-
ENTWICKLUNG
KUNST IN KEMPTEN
 
PRESSE
 
INFOS
 
Kunsthallen-Stipendium
Kunsthalle
Kunstausstellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche
Kunstpreise der Stadt Kempten
Thomas-Dachser-Gedenkpreise
Werkverzeichnis: Maximilian Ruess
- Zur Person
- Zum Werk
- Literatur
- Aquarelle
- Gemälde
- Grafik
- Plastik
- Brunnenanlage Schloss Zeil


Maximilian Rueß
Maximilian Rueß

Das künstlerische Werk von Maximilian Rueß

von Barbara Steinherr M.A.


Der Oberstdorfer Bildhauer und Maler Maximilian Rueß gilt als einer der bedeutendsten Künstler des Allgäus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Bei seinem Tod im Februar 1990 hinterließ Rueß ein äußerst umfangreiches und künstlerisch vielschichtiges Lebenswerk, das er - sich stets gleichermaßen der Malerei und der Plastik widmend - in vier Jahrzehnten geschaffen hatte. Seine Gemälde befinden sich heute in öffentlichen und privaten Sammlungen in Deutschland, der Schweiz, Italien, USA, Südamerika und Südafrika, seine plastischen Arbeiten an Bauten und auf öffentlichen Plätzen im Allgäu, in Schwaben, München und Nürnberg. Im Jahr 1995 übergab Ursula Rueß, die Witwe des Künstlers, einen Großteil des persönlichen künstlerischen Nachlasses ihres Mannes im Rahmen einer Stiftung an die Stadt Kempten, die seitdem den größten Bestand an Kunstwerken von Maximilian Rueß besitzt. Die Kemptener Sammlung, die über 50 Gemälde und Plastiken von den frühen 1950er Jahren bis in die späten 1980er Jahre umfasst, bietet einen hervorragenden Überblick über die verschiedenen Werkphasen und damit über die interessante stilistische Entwicklung des Allgäuer Künstlers.

1925 in Oberstdorf geboren, gehörte Maximilian Rueß jener Generation junger Männer an, die mitten aus Schule oder Ausbildung gerissen und in den letzten Kriegsjahren noch als Soldaten eingezogen wurden. Die dramatischen Erlebnisse von Krieg, Gefangenschaft und Flucht sowie der schmerzliche Verlust seines Vaters und Bruders prägten Rueß zweifelsohne nachhaltig. Aus dem Krieg zurückgekehrt, wandte er sich zunehmend der bildenden Kunst zu und ging schließlich nach München, um an der Kunstakademie Bildhauerei zu studieren. Weil sich Rueß von Anfang an aber ebenso intensiv mit der Malerei beschäftigte, war es ihm schon in den frühen 50er Jahren, als die großen öffentlichen Aufträge für den Bildhauer noch auf sich warten ließen, durch den Verkauf seiner Bilder möglich, als frei schaffender Künstler zu leben.

In jenen ersten Jahren befand sich Maximilian Rueß noch auf der Suche nach einer eigenen künstlerischen Handschrift. Gerade erst frisch von der Akademie gekommen und kaum 25 Jahre alt, bewegte er sich zunächst in den breiten Bahnen zahlreicher deutscher Nachkriegskünstler. Seine Darstellungen sind zu dieser Zeit noch praktisch ausnahmslos gegenständlich, die Farbwahl meist leuchtend expressionistisch, manchmal auch impressionistisch. Dabei fällt sein sicheres Gefühl für ausgewogene, aber zugleich spannungsvolle Farbkompositionen auf, was ihn mit zunehmender Zeit immer mehr auf den Weg zur Abstraktion führen wird. Als Sujets wählte Rueß vor allem Landschaften, Stadtansichten, Stillleben, Porträts sowie das seit dem Impressionismus beliebte Zirkus- und Artistengenre, das er unter anderem in dem öfter wiederkehrenden Bildnis des Harlekins variierte.
Doch die vermeintlich heiteren Themen haben mitunter bereits eine Tendenz zur Melancholie. Mehrfach finden sich da Andeutungen von Vergänglichkeit und Tod. Rückblickend könnte man meinen, hier schon eine Veranlagung des Künstlers aufblitzen zu sehen, die in den späteren Jahren eine immer gewichtigere Rolle spielen sollte: Es ist seine Neigung zur Schwere und Ernsthaftigkeit. Der scheinbare "Bruch", der sich Anfang der 1960er Jahre im künstlerischen Schaffen von Maximilian Rueß vollzog, erklärt sich wohl nicht zuletzt daraus.

"Den Wendepunkt der farbig-bunten Periode der 50er Jahre markiert das bedrückende Selbstporträt von 1960 "Mann mit rotem Auge". Das Spiel ist aus. Mit Senkblei gemessen und als nicht tragfähig befunden das bisherige Werk." (Peter Fassl, 1993) Und wirklich verschwinden nun plötzlich die leuchtenden Farben zugunsten erdiger Braun- und Grautöne, die oft mit Rot und Schwarz kombiniert sind. Die Motive sind reduziert auf wenige Personen oder Gegenstände, wenn nicht sogar auf ganz abstrakte Gebilde oder "Gespinste", wie der Künstler selbst sie nannte. Statt realistisch genauer Darstellungen scheint Rueß nun eher die strukturelle Behandlung der Bildoberfläche zu faszinieren. So verwendet er - ähnlich dem Spanier Antoni Tàpies oder dem Italiener Alberto Burri - Sand als Beigabe zu seinen Farben sowie manchmal Stoffe, die er in die Bilder einklebt. Seine Landschaftsbilder sind jetzt nicht mehr Abbilder einer visuell wahrnehmbaren Umgebung, sondern sind selbst zu autonomen Landschaften geworden, die aus Sand und Erde geformt sind.

Aber Rueß blieb weiterhin Suchender. Auch auf diese Ausdrucksformen war er nicht starr fixiert, sondern er probierte parallel schon Neues aus. Erste Bilder zeigen in den 1960er Jahren zum Beispiel Motive, die der Künstler schließlich in den 1970ern oder 1980ern erneut aufgriff und weiterführte. Dabei fällt auf, dass mit der steten Zunahme der öffentlichen Aufträge für größere bildhauerische Projekte auch wieder die Farben in die Rueß'schen Gemälde zurückkehrten. "Es geht um Farben, Flächen und Formen, die zueinander in Beziehung gesetzt werden und vielleicht ein wirkliches Bild ergeben. Deswegen ist es nicht sehr bedeutsam, ob das in gegenständlicher oder naturferner Umsetzung geschieht." (Maximilian Rueß, 1975) Gerade in den 1970er Jahren widmete er sich beiden Richtungen - der abstrakten wie der realistischen - wieder gleichermaßen. Es entstand die Serie von "Schloss-Bildern", die aus farbigen kleinen Feldern und Rechtecken zusammengebaut sind. Trotz des hohen Grades an Abstraktion ist in der Regel immer noch ein Motiv zu erahnen. Es handelt sich demnach so gut wie nie um völlig abstrakte, also "konkrete Kunst".
Zeitgleich malte Rueß in diesen Jahren eine Reihe von Porträts, wobei er für das Gemälde "Der Geburtstag" 1978 den Kunstpreis der Diözese Augsburg erhielt. In der Begründung durch die Jury hieß es: "Ganz besonders hat uns angesprochen und gefesselt, dass hier nicht auf literarisch, illustrative Weise, sondern im Spannungsfeld von Farbe, Flächen und Formen eine Mitteilung gemacht wird, und zwar vom Menschen."

In den 1980er Jahren, seinem letzten Lebensjahrzehnt, hatte Maximilian Rueß seinen künstlerischen Höhepunkt erreicht. Seine Erfolge als Bildhauer, die ebenfalls zu dieser Zeit in dem großartigen Auftrag zur Brunnenanlage für Schloss Zeil gipfelten, ermöglichten Rueß nicht nur das Arbeiten frei von materiellen Sorgen, sie gaben ihm auch die nötige persönliche Bestätigung. Zudem scheint seine bildhauerische Kreativität seine malerische Schaffenskraft noch gesteigert zu haben und so entstanden in diesen Jahren zahlreiche hervorragende Gemälde. In jahrzehntelanger Arbeit hatte Rueß viele verschiedene Facetten und Möglichkeiten ausgereizt, von gegenständlicher zu abstrakter Malerei, von leuchtend bunter Farbigkeit zur Verwendung von Sand und Erde, von heiteren zu schweren Sujets. Nun münden alle Erfahrungen ineinander und verdichten sich in einem konsequenten, reifen Stil. Neben Porträts und religiösen Darstellungen sind die Themen der 1980er Jahre vorwiegend Landschaften, die meist auf ein Höchstmaß abstrahiert sind, sowie rein abstrakte Kompositionen. Noch immer sind es die "Farben, Flächen und Formen, die zueinander in Beziehung gesetzt werden", wobei Rueß nun aus dem vollen Farbspektrum schöpft und zum Teil auch wieder in den reinsten leuchtenden Farbtönen malt .

Als Bildhauer hatte Maximilian Rueß nach seinem Studium zunächst zwar noch im "akademischen" Stil zu arbeiten begonnen, dann aber schon recht bald zu persönlicheren Ausdrucksformen gefunden. Dabei scheinen ihn die zum Teil engen Vorgaben öffentlicher Wettbewerbe und Aufträge, die ihn sicherlich immer wieder auch zu ungeliebten Kompromissen zwangen, nicht weiter beirrt zu haben. Eine wesentliche Rolle für die Entwicklung seines individuellen Stils spielte bei Rueß nicht zuletzt die bevorzugte Materialwahl: Rueß, der die klassischen Techniken der Bildhauerei von Holz- und Steinskulptur über Tonplastik bis hin zum Bronzeguss souverän beherrschte, hatte sich mit der Zeit auf das Verschweißen von Kupferblech spezialisiert. Während er ursprünglich damit lediglich die hohen Kosten des Bronzegusses sparen wollte, entdeckte er bald, dass diese Technik auch seinen formalen und ästhetischen Ansprüchen am meisten entgegenkam. Das Verschweißen der Kupferbleche ergab nämlich eine besonders abwechslungsreiche Oberfläche, die wechselweise ganz glatte und dann wieder, an den Schweißnähten, furchige und raue Stellen haben konnte.
"Das Runde und Heitere war Maximilian Rueß' Sache nicht, weder von seinem ernsten, grüblerischen Wesen her, noch von seiner künstlerischen Auffassung. Sein figürliches Werk ist geprägt von einer herben, asketischen Klarheit, seine Menschendarstellungen sind Wissende des Leids im Dasein, der Verletzlichkeit der Seele, der leisen, inneren Dramatik, Schicksal zu tragen." (Irmtraud Brunk, 1990)

Seit Ende der 1960er Jahre mehrten sich die öffentlichen Aufträge für Rueß und er schuf unter anderem Plastiken für Schulen, Krankenhäuser, Behörden oder auch Kirchen. Bei seinen Arbeiten, die den öffentlichen Raum betrafen, musste der Künstler natürlich stets die Gesamtwirkung eines Platzes und seiner angrenzenden Gebäude beachten, ja unter Umständen sogar die Gestaltung des Platzes übernehmen, so zum Beispiel 1974 im Zentralfriedhof in Kempten, für den er nicht nur die mächtige Bronzefigur des hl. Christophorus, sondern auch die dazugehörende Anlage mit Wasserbecken und Fontänen entwarf, oder 1978/79 die Gestaltung des Bahnhofsplatzes von Markt Oberstdorf mit der Figur des "Wilden Männle". Die wohl bedeutendste religiöse Plastik, die Maximilian Rueß im kirchlichen Auftrag schuf, ist die aus Kupfer geschweißte Pietà (1980/81) in der Krypta des Augsburger Domes. Das alte Thema von der Beweinung des Leichnams Christi durch seine Mutter erfährt auch hier wieder einen grenzenlos "humanen Aspekt", wie er schon so oft in der Kunst Maximilian Rueß' entdeckt und thematisiert wurde. Die von Trauer und Schmerz zusammengebrochene Maria scheint hier symbolisch zu stehen für all' die Mütter, die je um ihre verstorbenen Kinder trauerten und trauern werden. Der tote Christus, der auf einer Bahre liegt, erinnert dabei allzu sehr an die unzähligen Toten, die dem letzten Krieg zum Opfer gefallen sind.

Zum großen Lebenswerk wurde für Maximilian Rueß die Umsetzung einer grandiosen Brunnenanlage für Schloss Zeil bei Leutkirch, die er von 1982 bis 1989 im Auftrag von Georg Fürst von Waldburg zu Zeil und Trauchburg schuf. Rueß hatte ursprünglich mehrere Konzepte für die Brunnenneugestaltung vorgelegt, wobei die Auswahl auf einen Entwurf fiel, der die traditionsreiche Geschichte des Fürstenhauses und seiner berühmten Vorfahren thematisiert und diese mit christlichen Themen sowie allgemeinen Allegorien verbindet. In sensibler Abstimmung auf die Architektur des Schlosshofes entwarf Rueß die gesamte Anlage inklusive der Möglichkeiten zu verschiedenen Wasserspielen. Aus einem großen, flachen Marmorbecken erhebt sich der mächtige Turm aus Bronzeplastiken. Im Zentrum befindet sich als Krönung ein hoher Lebensbaum mit Wasserschale, worin eine Madonna im Rosenstrauch steht. Unterhalb des Lebensbaumes entfaltet sich dann wiederum ein vielgestaltiges Figurenprogramm, wobei auf den vier Hauptachsen acht der bedeutendsten Vertreter aus der gut tausendjährigen Geschichte des Fürstenhauses abgebildet sind sowie auf den diagonalen Achsen Allegorien der vier Jahreszeiten. Außerhalb des Beckens sind mehrere Tiergruppen aufgestellt, die die Beziehung zwischen Mensch und Natur andeuten sollen. Damit diese komplexe hohe Gesamtkomposition beim Eintreten in den Innenhof nicht optisch in der Höhe durch die Toranlage "abgeschnitten" wird, ließ der Auftraggeber sogar den Innenhof und das Brunnenbecken absenken.

Um diesen großartigen Auftrag ausführen zu können, hatte Maximilian Rueß Anfang der 1980er Jahre sein Atelier in Bolsterlang eigens vergrößert. Als das Werk so hervorragend vollendet war, durfte er bereits an einem Folgeauftrag zu einem weiteren Brunnen für Schloss Zeil arbeiten, doch diese Pläne sollten nie über erste Skizzen hinausgehen. Ende 1989 erkrankte Maximilian Rueß schwer und verstarb bereits im Februar des folgenden Jahres.


Museen der Stadt Kempten

Kulturamt

Stadt Kempten (Allgäu)
Museen und APC
Memminger Str. 5
87439 Kempten (Allgäu)
Tel. 08 31 / 25 25 200
Fax 08 31 / 25 25 463
museen@kempten.de


Copyright © 2016 Museen der Stadt Kempten | museen@kempten.de | www.kempten.de